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Stresshormon Cortisol: Die meisten Probleme bei Babys verursacht Übermüdung

Was passiert bei Übermüdung?
Dein Baby ist länger wach, als es sein kleiner Körper eigentlich leisten kann und nimmt dadurch mehr auf, als sein noch nicht voll entwickeltes Gehirn verarbeiten kann. Um weiterhin ohne ein Nickerchen wach zu bleiben, stößt der Körper einen Mechanismus zur Stressbewältigung an. Die Stresshormone Cortisol und Adrenalin werden in Babys Körper gepumpt. Dies ermöglicht es dem Körper wach zu bleiben, auch wenn er eigentlich stark übermüdet ist. Ihr habt vielleicht selber schon erlebt, dass euer Baby müde und quengelig wird, aber wenn es über einen bestimmten Punkt hinweg ist, geht es ihm wieder besser und euer Kleines ist hellwach.

Im englischen ist diese Phase so bekannt, dass es sogar einen eigenen Begriff dafür gibt: „second wind“. Dieser zweite Aufwind ist geprägt von Stresshormonen, die es ermöglichen länger als von der Natur vorgesehen wach zu bleiben und zu „funktionieren“.

Ist euer Baby in dieser Phase der Übermüdung, fällt es ihm wesentlich schwerer, ein- und durchzuschlafen. Befindet sich euer Baby oft in diesem Zustand, entwickeln sich daraus schlechte Schlafgewohnheiten wie Probleme beim Ein- und Durchschlafen.

Das Schreienlassen-Paradoxon
Sehr viele Eltern haben Angst, ihr Baby schreien zu lassen, weil sie gelesen haben, dass es schädlich ist. Der Stresspegel steigt und es wird Cortisol ausgeschüttet. Aus Studien weiß man, dass Cortisol die Entwicklung stören kann. Tatsächlich ist es aber so, dass der Körper mit einem kurzzeitigen Anstieg von Cortisol gut umgehen kann. So ist zum Beispiel bei einem normal entwickelten Cortisol-Rhythmus der Wert in der Früh 300-400% mal höher als beim niedrigsten Stand gegen Mitternacht[1]. Das zeigt: der Körper ist durchaus fähig, mit einem erhöhten Cortisol-Level umzugehen und dies zu verarbeiten. Ein temporärer Anstieg von Stresshormonen ist also für den menschlichen Körper kein Problem.  Schwierig wird es, wenn Babys und Kinder permanent einen erhöhten Stresspegel haben.[2] Durch die stetig erhöhte Ausschüttung von Cortisol kann die Entwicklung tatsächlich beeinträchtigt werden.

Ist euer Baby also chronisch bzw. ständig übermüdet, sind die negativen Auswirkungen für den Körper nachhaltiger als wenn ein Baby kurzzeitig einem Stress ausgesetzt ist.

Erschreckend ist die Tendenz, dass immer mehr Baby übermüdet sind. So schlafen Kinder laut einer aktuellen Umfrage des Eltern-Magazins im Schnitt eine Stunde weniger als noch bei der gleichen Umfrage aus 2009![3]

Fazit: Vermeidet chronische Übermüdung
Möchtet ihr eure Kleinen vor unnötigem Stress schützen, ist es also wichtig, dafür zu sorgen, dass sie nicht übermüdet sind. Ein übermüdeter Zustand bedeutet stetiger Stress und fördert die Ausschüttung des ggf. entwicklungsschädigenden Hormons Cortisol. Das ist für euer Baby schädlicher als ein kurzzeitiger Anstieg des Hormons. Es ist also okay, wenn ihr beim Einschlafen klare Grenzen setzt und euer Kleines nicht wieder aus dem Bettchen nehmt, auch wenn es trotzt wenn es mal keine Lust hat zu schlafen.

[1] de Weerth, C., R.H. Zijl, and J.K. Buitelaar. Development of cortisol circadian rhythm in infancy. Early Hum Dev. 73(1-2): p. 39-52. 2003.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4472813/ zuletzt abgerufen am 13.07.2018

[2] National Scientific Council on the Developing Child, Excessive stress disrupts the architecture of the developing brain: Working paper #3. 2005. p. Center on the Developing Child at Harvard University. http://www.developingchild.net.

[3] Gruner + Jahr GmbH, Zeitschrift Eltern Nr. 6/2018, S.30

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